Wer ist betroffen?

Themen auf dieser Seite:
Wen betrifft Barrierefreiheit?
Veröffentlichung Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Definition Barrierefreiheit
Gleichstellungsgesetz
Dresdner Erklärung
Behindert ist man nicht, behindert wird man

Wen betrifft die Barrierefreiheit?
Die Barrierefreiheit betrifft jeden. Ist jemand am Fortkommen behindert, ist jeder, der den selben Weg nehmen muss – und dadurch gestoppt wird – ebenfalls behindert.

Broschüre „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für alle“
(Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) März 2004/2. Auflage:
2. Veröffentlichungen zum barrierefreien Tourismus
S. 13: [...] Das Prinzip der Barrierefreiheit wird immer noch lediglich auf die Zielgruppe der behinderten Menschen bezogen. Das ist unverständlich, zumal deutschland- und europaweit Berichte und Gutachten immer wieder herausstellen, dass die Herstellung von Barrierefreiheit im Interesse aller Menschen und nicht einer bestimmten Personengruppe mit besonderen Anforderungen erfolgt. So ist bekannt, dass eine barrierefrei zugängliche Umwelt für etwa 10 % der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 % notwendig und für 100 % komfortabel ist. [...]
S. 24: [...] Eine barrierefreie An- und Abreise ist für über 74,1 % der mobilitäts- und aktivitätseingeschränkten Reisenden wichtig für die Wahl ihres Reiseziels (vgl. auch Kap. 2.2.3). Dem gegenüber fühlen sich 52,1 % der Reisenden mit Behinderungen in diesem Bereich beeinträchtigt. [...]
Quelle: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen,did=28398.html

Ergänzungen
Aus Referatsfolien von Natko - Der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus: „8,1 % der deutschen Bevölkerung sind als Schwerbehinderte registriert, - etwa die Hälfte aller behinderten Menschen sind über 65 Jahre alt“
Alexander Drewes, von Pro Bahn: „Studien zum demographischen Wandel besagen, dass die Bevölkerung in 30-40 Jahren zur Hälfte über 60 Jahre alt sein wird.“

Definition der Barrierefreiheit
BGG § 4: „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, etc. wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind“.
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/bgg/BJNR146800002.html
Fazit: Die Barrierefreiheit ist bislang ungenügend geregelt! Bei S21 werden nie genügend Aufzüge zur Verfügung stehen für die, die sie benötigen, d.h. Wartezeiten sind unumgänglich.

Gleichstellungsgesetz
§ 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr
„(2) Sonstige bauliche oder andere Anlagen, öffentliche Wege, Plätze und Straßen sowie öffentlich zugängliche Verkehrsanlagen und Beförderungsmittel im öffentlichen Personenverkehr sind nach Maßgabe der einschlägigen Rechtsvorschriften des Bundes barrierefrei zu gestalten. Weitergehende landesrechtliche Vorschriften bleiben unberührt.“
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__8.html
Fazit: Das Gleichstellungsgesetz ist seit 2002 in Kraft. Man sollte davon ausgehen können, dass ab diesem Zeitpunkt zumindest alle öffentlichen Gebäude barrierefrei geplant und erstellt werden.

Dresdner Erklärung zur Verbindlichkeit von Barrierefreiheit (02.06.2011)
„Die Beauftragten des Bundes und der Länder für die Belange behinderter Menschen fordern die Bauministerkonferenz und das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung auf, der Verpflichtung aus Art. 9 der UN-Behindertenrechtskonvention zur Barrierefreiheit in der Musterbauordnung und den Bauordnungen der Länder nachzukommen und durch flankierende Maßnahmen eine umfassende Barrierefreiheit im Sinne eines "Designs für alle" zu gewährleisten. Barrierefreiheit ist eine entscheidende Voraussetzung für die Verwirklichung der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.“ http://bit.ly/pbM7wz

Behindert ist man nicht - behindert wird man.
Wer ist also "reisetechnisch behindert"?

Bei diesen Menschen denkt man nicht sofort an “Behinderung” und doch sind sie es:
- Menschen mit Gepäckwagen, viel Gepäck, mit Rucksack
- Menschen mit Kinderwagen
- Menschen mit einem oder mehreren kleinen Kindern
- Schwangere und sonstige Menschen mit Übergewicht
- Radfahrer-Radtouristen und Radpendler auch mit Gepäck

Im Brainstorming wurden auch genannt:
- Bahnunerfahrene Reisende
- Kindergartengruppen, Schulklassen
- Rettungsdienste
- Stöckelschuhträger/innen ;-)
- an den Fahrkartenautomaten ist jeder „behindert“, der nicht regelmässig mit ihnen umgeht

Körperlich u/o gesundheitlich Beeinträchtigte (Reihenfolge ohne Wertung):
- Menschen im Herbst des Lebens
- Menschen mit Gehhilfen: Rollator, Krücken, Stock, z.B. mit Gipsbein
- Menschen mit Geh-Prothesen
- Blinde, sehbehinderte Menschen
- Schwerhörige Menschen (Verständlichkeit der Durchsagen)
- Aktiv-Rollstuhlfahrer und Elektro-Rollstuhlfahrer
- Neurologisch erkrankte Menschen mit Gleichgewichts-, Orientierungs-, Sprach- (auch Schlaganfall), Koordinierungs
- Schwierigkeiten (auch Diabetiker bei Unterzuckerung!)
- nach Knie-, Hüftgelenks-, sonstigen Op’s und Bandscheibengeschädigte, Arthose-, Rheuma-Erkrankte (brauchen länger um ihren Zug zu erreichen)
- Menschen mit einer Sprachstörung (z.B. nach einem Schlaganfall)
- Übergewichtige
- Analphabeten, Lese- und Rechtschreibbehinderte
- Psychisch erkrankte Menschen (z.B. Platzangst, Höhenangst)

Denken wir auch an die "Senioren von morgen", - siehe demografischer Wandel!

 

Aktionsbündnis-Banner