Ohne Aufzug kein Zug
Im Kopfbahnhof rollt man vom Vorplatz bis an die Zugtür. Im Tiefbahnhof liegen die Stege rund sieben Meter über den Bahnsteigen. Wer keine Treppe steigen kann, braucht einen Aufzug, und zwar einen, der gerade fährt.

Inhalt
Was auf jedem Bahnsteig steht
Jeder der vier Bahnsteige ist über drei Stege an die Verteilerebenen angebunden. Die Zahlen stammen aus Planskizzen von 2011 und decken sich mit den Angaben der Bahn:
| Steg | Festtreppen | Rolltreppen | Aufzüge |
|---|---|---|---|
| Steg A | 2 | 2 | 1 |
| Steg B | 2 | 4 | 1 |
| Steg C | 1 | 1 | 1 |
| Summe je Bahnsteig | 5 | 7 | 3 |
Die Festtreppen sind 2,35 Meter breit und überwinden sieben Meter Höhe, das sind etwa zweieinhalb Stockwerke eines Wohnhauses. Die Panoramaaufzüge haben einen Innendurchmesser von 2,30 Metern. Am Steg C gibt es nur eine Rolltreppe; sie läuft also entweder aufwärts oder abwärts.
Für den ganzen Bahnhof nannte Bahnvorstand Volker Kefer im Dezember 2010 diese Zahlen: 16 Panoramaaufzüge in Bahnsteighalle und Bonatzbau, 31 Fahrtreppen in der Bahnsteighalle, 10 weitere im Bonatzbau und 6 im Personentunnel zwischen Bahnsteighalle und S-Bahn-Station.
Eine Planskizze von 2011 zeigt einen ICE und zwei Regionalzüge am selben Bahnsteig, dazu die Treppen, Rolltreppen und Aufzüge an den drei Stegen.

Wer auf den Aufzug angewiesen ist
Ohne Aufzug erreichen diese Reisenden weder den Bahnsteig noch den Ausgang:
- Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator,
- Menschen mit Gehbehinderung, auch vorübergehend nach einem Unfall,
- Eltern mit Kinderwagen,
- Reisende mit Kofferkuli oder sehr viel Gepäck,
- Radfahrerinnen und Radfahrer mit ihrem Rad.
Wer vom Fernzug zur S-Bahn umsteigt und dabei auf den Aufzug angewiesen ist, braucht sogar zwei: einen hinauf zum Steg und einen hinunter in den Personentunnel. Zu Fuß führt der Weg zur S-Bahn über die Treppen und durch diesen Tunnel. Eine Skizze vom November 2011 zeichnet die Verbindung nach: von den Bahnsteigen über Steg A und einen Fußgängertunnel, zwischen Tunnel und S-Bahn liegt noch eine Treppenanlage.

95 Prozent Verfügbarkeit, nachgerechnet
Die Bahn hat zugesagt, die Aufzüge seien im Jahresmittel zu 95 Prozent in Betrieb. Das klingt hoch. Die Rechnung dazu:
- Fünf Prozent eines Jahres sind gut 18 Tage. So lange darf jeder einzelne Aufzug im Jahr ausfallen, ohne dass die Zusage gebrochen ist.
- An den Bahnsteigen stehen zwölf Aufzüge, drei je Bahnsteig. Zusammen sind das rund 220 Ausfalltage im Jahr.
- Im Durchschnitt ist damit an jedem Tag des Jahres mehr als ein halber Bahnsteigaufzug außer Betrieb.
- Fällt auf einem Bahnsteig einer der drei aus, führt der Weg zum nächsten Aufzug über den Bahnsteig, und häufig durch eine der Engstellen.
Bei den Rolltreppen ist die Lage ähnlich. Kritiker zitierten 2011 eine Auswertung, nach der von 26 Rolltreppen ständig zwei außer Betrieb seien. Woher die Zahl stammt, wurde nicht genannt; dass Rolltreppen gewartet und repariert werden müssen, weiß jeder, der regelmäßig U-Bahn fährt.

Fahrsteige statt Rolltreppen?
Im Februar 2011 fragte eine Bürgerin auf der Plattform direktzu, ob man einige Rolltreppen durch Fahrsteige ersetzen könne, wie sie in vielen Bahnhöfen im Ausland üblich seien. Die Antwort kam im März vom Bahnvorstand. Für Rollstuhlfahrer dürfe die Neigung höchstens 6 Prozent betragen, wie bei einer festen Rampe. Fahrsteige würden deshalb 100 bis 140 Meter lang und nähmen so viel Platz weg, dass auf einem 420 Meter langen Bahnsteig weniger Zugänge möglich wären. Die Bahn setze Fahrsteige grundsätzlich nicht ein.
Stattdessen werde der neue Hauptbahnhof über drei Zugangsbrücken je Bahnsteig, fünf Zugänge mit Treppen und Fahrtreppen und drei Aufzugsanlagen „so komfortabel erschlossen sein wie sonst kaum ein anderer Bahnhof“.
Die Antwort ist in sich schlüssig. Sie zeigt aber auch, dass eine stufenlose Erschließung aus eigener Kraft im Tiefbahnhof von Anfang an ausgeschlossen war.

Wie viele Menschen auf einem Bahnsteig stehen
Ein Tiefbahnhof mit acht Gleisen muss in der Spitzenstunde viele Züge abfertigen. Die Kritiker rechneten 2011 mit den Zahlen aus dem Betriebsprogramm:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Züge in der Spitzenstunde | 49 |
| Bahnsteige | 4 |
| Züge je Bahnsteig und Stunde | etwa 12, also alle 5 Minuten einer |
| Fahrgäste in vier Regionalzügen | bis zu 4 × 960 |
| Menschen gleichzeitig auf einem Bahnsteig | rund 4.000 (mit Wartenden aufgerundet) |
| Fläche eines Bahnsteigs | 420 m × 10 m, abzüglich Treppen rund 4.000 m² |
| Menschen im ganzen Bahnhof bei einem Brand zur Spitzenzeit | 16.000 oder mehr |
Ein Mensch pro Quadratmeter klingt nach Platz. Von den 4.000 Quadratmetern gehen aber noch Aufzüge, Bänke, Mülleimer, Anzeigetafeln und Kofferkuli-Depots ab, und die Menschen verteilen sich nicht gleichmäßig. Sie drängen sich dort, wo die Treppen sind.
Im heutigen Kopfbahnhof sind die Bahnsteige ähnlich breit, teils etwa acht Meter. Dort halten aber zwei Züge je Bahnsteig, im Tiefbahnhof müssen es zu Stoßzeiten vier sein. Bei etwa gleicher Breite heißt das: doppelt so viele Reisende.
Was die Werbebroschüre verspricht
Die Bahn hat 2010 eine Broschüre mit dem Titel „21 gute Gründe für S21“ verteilt. Zur Ausstattung stehen darin drei Versprechen, die wir mit den Einwänden von damals nebeneinanderstellen:
| Versprechen | Einwand |
|---|---|
| Die Bahnsteige liegen in einer „von Tageslicht beleuchteten Halle“, die Lichtaugen ermöglichen den Blick ins Freie. | Ob durch die Lichtaugen genug Licht für die ganze Halle fällt und ob das helle Gewölbe über Jahre hell bleibt, ist offen. |
| Das Erdreich wirkt „im Winter wärmend und im Sommer kühlend“, künstliche Belüftung und Heizung seien nicht nötig. | Ein abgedeckelter Raum kann sich im heißen Sommer aufstauen; der Geruch von Bremsabrieb zieht ohne Lüftung schlecht ab. |
| Die Lichtaugen sind „Teil des energiesparenden Belüftungskonzepts“. | Rolltreppen und Aufzüge brauchen dauerhaft Strom, und auch eine Tageslichthalle kommt nicht ohne Kunstlicht aus. |
Nicht erwähnt waren damals drei Themen, die gerade für Menschen mit Behinderung zählen. Ein Blindenleitsystem sei „aufwändig“ geplant, hieß es im Januar 2011 beim Forum Barrierefrei im Rathaus. Der Lärm in einer geschlossenen Halle wird zum Problem für Menschen mit Hörgerät: Wer es wegen der Bremsgeräusche ausschaltet, hört keine Durchsagen mehr. Und der Luftdruck, den einfahrende Züge vor sich herschieben, gleicht sich in einer unterirdischen Halle anders aus als unter freiem Himmel.
Einordnung 2026
Anfang April 2026 durften Besucher in die Halle mit ihren Kelchstützen und Lichtaugen. Wie viele Aufzüge am Ende eingebaut sind und ob es eine öffentliche Störungsanzeige gibt, bleibt nach unseren Quellen offen. Genau davon hängt aber ab, ob der Bahnhof für Menschen im Rollstuhl im Alltag funktioniert.
Aktualisiert im Oktober 2026.
Bildrechte, teils als Ausschnitt: Bahnsteighalle mit Besuchersteg, April 2026: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons; Skizze ICE und zwei Regionalzüge, 2011: früherer Bestand von diskussion21.de; Skizze Steg A und S-Bahn, November 2011: Zwiebel21, früherer Bestand von diskussion21.de; Gesperrte Rolltreppe, Berlin 2026 (Ausschnitt): NutzerAusBerlin, CC0, Wikimedia Commons; Aufzug im Bahnhof Löwenstrasse, Zürich: Hoff1980, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.